Moin KleinerPreis,
tatsächlich geben Leber und Nieren intern/endogen den ganzen Tag gesund immer genau so viel Glukose aus, wie gerade gebraucht wird. Das reicht von nahe nix bis etwa 120g/Stunde, ohne dass sich dafür der BZ messbar bewegen muss. Das heißt ganz eindeutig, dass am BZ nicht ablesbar ist, in welcher Menge gerade Glukose in die Zellen verteilt wird.
Immer dann, wenn der BZ unter die persönliche Basis-Schwelle sinkt, nehmen die Beta-Zellen ihre Insulin-Ausgabe zurück und die Alpha-Zellen erhöhen ihre Glukagon-Ausgabe und stimulieren die Leber zur Glukose-Ausgabe, und wenn der BZ dann wieder über die Basal-Schwelle ansteigt, nehmen die Alpha-Zellen ihre Glukagon-Ausgabe zurück und die Betas erhöhen wieder ihre Insulin-Ausgabe. So schlängelt sich der BZ mit kaum messbarem Auf-und-Ab (eher weniger als 5mg/dl) wie eine endlose Schlange um eine gedachte Versorgungsgerade, wobei umso mehr Glukose verteilt wird, je schneller diese Auf-und-Abs mit der zunehmenden Umlaufgeschwindigkeit des Blutes im Kreislauf zeitlich aufeinander folgen.
Unterbrochen wird diese Ausgabe immer kurz dann, wenn neue Glukose per Essen & Trinken von außen - extern/exogen - rein kommt. Damit steigt der BZ gesund für ein paar Minuten bis max an 140mg/dl und sinkt aber bis spätestens etwa 2 Stunden nach dem Input wieder auf die normale Basis-Höhe ab.
Wieviel von der neu gegessenen Glukose gleich in den Umlauf und Verbrauch kommt und wieviel sofort in welcher Form gespeichert wird, ist bislang offenbar noch wenig untersucht. Aber da die wohl schon häufiger bestimmte
Insulin-Spitze(braune Dreiecke) zeitlich auffällig kurz beobachtet (immer nur das, was aus der Leber raus kommt!) wird, die die Darmhormone (Inkretine -> Inkretin-Effekt) passend zur Übergabe der Glukose ins Blut bestellen und da Glukose und Insulin dann in der Pfortader auf dem kurzen Weg in die Leber zusammen treffen, wird da drin dann schon das meiste an Umformung zu Glykogen und Triglyzeriden und Speicherung und Verteilung stattfinden, schon allein deswegen, weil Insulin im Blut schon nach knapp 5 Minuten nur noch die Hälfte wert ist und weil die Ziel-Zellen wenig Speichermöglichkeit haben.
Tscha, und nun kommen wir mit unserem Diabetes und versuchen, das Ganze über BZ-Schwankungen zu verstehen und in den Griff zu kriegen, die gesund überhaupt nicht stattfinden. Nicht, dass ich meinte, das da grundsätzlich was falsch dran wäre! Schließlich macht uns mehr als gesunder BZ ja krank, und dann brauchen wir ja auch irgendwelche Anhaltspunkte. Aber die Komplexität der gesunden Prozesse zeigt schon von weitem, dass die Idee, dass wir irgendwas daran allein mit genauem Wiegen und Rechnen unserer Mahlzeiten-Eingaben packen könnten, einfach absurd ist. Damit können wir allenfalls einen groben Rahmen begrenzen, und in dem bleibt in unseren Lernphasen praktisch nur, den BZ immer enger zu beobachten und mit immer kleineren Eingaben von Futter und Insulin mit immer kleineren Schwankungen immer ausgeglichener zu steuern.
Klar macht Sinn, sich zu dem, was man dabei als funktionierend erfährt, dann Erklärungen zu suchen und zu denken, die möglichst logisch zusammen passen. Und wer sich dabei der Tatsache bewusst bleibt, dass ein guter Teil der Energieversorgung vor allem im gesunden BZ-Rahmen statt aus Glukose aus Speicherfett stattfindet, wird nie auf die Idee kommen, dass der BZ nach einem festen Schema ablaufen müsse. Sondern der wird sich freuen, wenn er aus seinen Beobachtungen immer häufiger BZ-mäßig passend agieren und reagieren lernt :-)
Bisdann, Jürgen