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Typ-1-Diabetes :  DIABETESGATE-Forum

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Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: WutKnut (IP-Adresse bekannt)
Datum: 09.06.2010 23:13

Hallo alle zusammen,

ich bin seit geraumer Zeit diabetiker und hab mich erst in letzter Zeit so richtig um meine werte gekümmert.

Ich war sogar in letzter Zeit richtig gut darin gewesen, hatte immer so 6-9 mmol/l.

Seit dem es jetzt draussen so warm geworden ist (von heut auf morgen),
kann ich machen was ich will. ich lande immer bei 12-15 mmol/l.

Nun stell ich mir die Frage ob es wirklich sein kann, das durch diesen wetterwandel/temperaturanstieg das ganze so beeinflusst werden kann?

Wenn einer dazu was sagen kann, wäre ich sehr dankbar.

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: A.Nonyma (IP-Adresse bekannt)
Datum: 10.06.2010 20:03

Hallo WutKnut,

ich kenne es eher umgekehrt: bei mir geht der BZ bei der ersten Hitzewelle des Jahres in den Keller und traut sich (wegen der Hitze?) nicht mehr raus. Das dauert rund zwei Wochen, und dann läuft es wieder normal. Ich mache das einzig sinnvolle und passe mein Insulin nach unten an - vor allem meine Basalrate. In Deinem Falle würde ich also das Insulin vorsichtig hochsetzen, bis die BZ-Werte wieder passen.

Viel Erfolg!

Katja

********************************************
Ingenieure sind die besseren Diabetologen ;-)

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 11.06.2010 08:29

Moin Knut,

je höher der BZ, desto mehr Insulin kann man für die selbe BE-Menge brauchen. Wenn man also einen BZ-Anstieg länger stehen lässt, kann der alleine im Verlauf weniger Tage für deutlich zunehmend zusätzlichen Insulinbedarf und eben weiteren zusätzlichen Anstieg sorgen.

Hausnummern-Beispiel: für eine Scheibe Brot, die bei 6-9 X Nummern Einheiten zum Ausgleich braucht, so dass nach dem Auswirken von Brot und Insulin wieder 6-9 gemessen werden könne, kann bei 12-15 mmol/l wenigstens die doppelte Insulin-Menge notwendig sein, also 2X und mehr, damit nach dem Auswirken von Brot und Insulin wieder 12-15 gemessen werden können. Plus vorübergehend, wenn Du dich zum Senken aufraffst, noch einmal eine zusätzliche Menge Insulin, damit der BZ wieder auf 6-9 absinkt.

Und Du weißt schon, dass gesunde Menschen sich zwischen den Mahlzeiten bei etwa 3,5-4,5 bewegen und nur etwa 1 Stunde nach sehr vielen BEs mal für ein paar Minuten bis knapp unter 8 messen können?
Das lässt sich für uns mit Diabetes selten so schön nachbauen, aber wir müssen es wissen und berücksichtigen. Deine normal guten 6-9 können also schon bedeuten, dass Du dich mit Deinem BZ schon häufiger in einem Rahmen bewegst, in dem eh schon pro BE mehr Insulin erforderlich ist als auf der gesunden Höhe.

Wie Du aus Deiner BZ-Höhe wieder runter kommen kannst, ist hier super beschrieben. Ist zwar ursprünglich für Pumpis entwickelt, funktioniert mit entsprechender Basal-Berücksichtigung aber mit dem Pen genau so gut :-)

Daumendrück, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Kleinerpreis (IP-Adresse bekannt)
Datum: 12.06.2010 14:53

Hallo

Also bei durchgehend warmen Wetter brauch ich auch wesentlich weniger "Stoff".
Wenn das wetter wechselhaft ist dann schwankt der zucker wie draussen die Temperaturen, so verrückt es sich anhört ist aber so.
Da waren tage wo 10 grad unterschied in nur 5 stunden waren.
Da konnte mal der zucker einfach so von 95 auf 240 gehen ohne
das ich mir einer schuld bewusst war.
Umgekehrt geht das aber genauso gut:) dann hilft nur Futtern.
Machen kann ich da nicht viel ausser öfter messen und reagieren.
Das Phänomen ist meist nur eine Phase von 2-3 tagen dann regelt es sich wieder ein.

LG

KleinerPreis

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 12.06.2010 17:45

Moin KleinerPreis,

der Unterschied zwischen 95 und 240mg/dl sind ganze 1,45 Gramm Glukose pro Liter Blut. Und die sagen nicht wirklich was über die Menge, die dabei pro Stunde verteilt oder vom Körper irgendwie umgesetzt wird, nur dass eben die Regelung mit den zusätzlichen 1,45 Gramm nicht so gesund stattfindet. Schon verrückt, oder?

Bisdann, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Kleinerpreis (IP-Adresse bekannt)
Datum: 12.06.2010 22:27

Hi Jürgen

Ja aber irgendwie typisch für DM Typ1
Machen kann man da nicht viel,das regelt auch die Pumpe nicht,weil man es einfach nicht Planen kann.
Nun wundert es mich nicht mehr wenn ich auf der arbeit bei einem wechselhaften wetter plötzlich abends mal einen 300er wert hatte.
Das heisst wenn dann noch 2 faktoren wie wetter und stress da sind,dann wirds richtig übel.
Was ich aber nicht verstehe...was macht das wetter mit dem Insulin?
Warum wirkt es bei Schwankungen nicht?Bei stress ist es das Hormon Adrenalin.Beim Wetter?

LG
KleinerPreis

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 13.06.2010 12:39

Moin KleinerPreis,

keine Angst, das Insulin wirkt schon. Wir neigen nur zu der unzutreffenden Annahme, dass die Glukose, die wir uns direkt einverleiben, die einzige ist, die in uns umläuft. Und dafür wird nicht nur aus dem Leberspeicher ausgegeben, sondern auch noch eifrig von Leber und Nieren zusätzlich gemacht, wie Du hier lesen kannst. Deswegen kann das Essen immer nur EIN Anhaltspunkt für den jeweiligen Insulinbedarf sein, den wir am besten einschätzen lernen, wenn wir ihn situativ akzeptieren und in der Folge immer passender einschätzen.

Bisdann, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Kleinerpreis (IP-Adresse bekannt)
Datum: 13.06.2010 14:43

Hallo Jürgen

Ich habe mir das durchgelesen,und weis jetzt das es über den tag verteilt
eine bestimmte menge Glukose von Leber und Nieren ins Blut gebracht wird.Was ich nicht gefunden habe ist wann, und in welchen Situationen.
Wenn es immer gleich wäre dann hätten wir ja alle kein Problem mit den Schwankungen trotz das wir nix essen.
Also beim Wetterumschwung schwankt der BZ wert bei den meisten süssen.
Das warum bleibt ungeklärt.

LG

KleinerPreis

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 14.06.2010 09:13

Moin KleinerPreis,

tatsächlich geben Leber und Nieren intern/endogen den ganzen Tag gesund immer genau so viel Glukose aus, wie gerade gebraucht wird. Das reicht von nahe nix bis etwa 120g/Stunde, ohne dass sich dafür der BZ messbar bewegen muss. Das heißt ganz eindeutig, dass am BZ nicht ablesbar ist, in welcher Menge gerade Glukose in die Zellen verteilt wird.
Immer dann, wenn der BZ unter die persönliche Basis-Schwelle sinkt, nehmen die Beta-Zellen ihre Insulin-Ausgabe zurück und die Alpha-Zellen erhöhen ihre Glukagon-Ausgabe und stimulieren die Leber zur Glukose-Ausgabe, und wenn der BZ dann wieder über die Basal-Schwelle ansteigt, nehmen die Alpha-Zellen ihre Glukagon-Ausgabe zurück und die Betas erhöhen wieder ihre Insulin-Ausgabe. So schlängelt sich der BZ mit kaum messbarem Auf-und-Ab (eher weniger als 5mg/dl) wie eine endlose Schlange um eine gedachte Versorgungsgerade, wobei umso mehr Glukose verteilt wird, je schneller diese Auf-und-Abs mit der zunehmenden Umlaufgeschwindigkeit des Blutes im Kreislauf zeitlich aufeinander folgen.

Unterbrochen wird diese Ausgabe immer kurz dann, wenn neue Glukose per Essen & Trinken von außen - extern/exogen - rein kommt. Damit steigt der BZ gesund für ein paar Minuten bis max an 140mg/dl und sinkt aber bis spätestens etwa 2 Stunden nach dem Input wieder auf die normale Basis-Höhe ab.
Wieviel von der neu gegessenen Glukose gleich in den Umlauf und Verbrauch kommt und wieviel sofort in welcher Form gespeichert wird, ist bislang offenbar noch wenig untersucht. Aber da die wohl schon häufiger bestimmte Insulin-Spitze(braune Dreiecke) zeitlich auffällig kurz beobachtet (immer nur das, was aus der Leber raus kommt!) wird, die die Darmhormone (Inkretine -> Inkretin-Effekt) passend zur Übergabe der Glukose ins Blut bestellen und da Glukose und Insulin dann in der Pfortader auf dem kurzen Weg in die Leber zusammen treffen, wird da drin dann schon das meiste an Umformung zu Glykogen und Triglyzeriden und Speicherung und Verteilung stattfinden, schon allein deswegen, weil Insulin im Blut schon nach knapp 5 Minuten nur noch die Hälfte wert ist und weil die Ziel-Zellen wenig Speichermöglichkeit haben.

Tscha, und nun kommen wir mit unserem Diabetes und versuchen, das Ganze über BZ-Schwankungen zu verstehen und in den Griff zu kriegen, die gesund überhaupt nicht stattfinden. Nicht, dass ich meinte, das da grundsätzlich was falsch dran wäre! Schließlich macht uns mehr als gesunder BZ ja krank, und dann brauchen wir ja auch irgendwelche Anhaltspunkte. Aber die Komplexität der gesunden Prozesse zeigt schon von weitem, dass die Idee, dass wir irgendwas daran allein mit genauem Wiegen und Rechnen unserer Mahlzeiten-Eingaben packen könnten, einfach absurd ist. Damit können wir allenfalls einen groben Rahmen begrenzen, und in dem bleibt in unseren Lernphasen praktisch nur, den BZ immer enger zu beobachten und mit immer kleineren Eingaben von Futter und Insulin mit immer kleineren Schwankungen immer ausgeglichener zu steuern.

Klar macht Sinn, sich zu dem, was man dabei als funktionierend erfährt, dann Erklärungen zu suchen und zu denken, die möglichst logisch zusammen passen. Und wer sich dabei der Tatsache bewusst bleibt, dass ein guter Teil der Energieversorgung vor allem im gesunden BZ-Rahmen statt aus Glukose aus Speicherfett stattfindet, wird nie auf die Idee kommen, dass der BZ nach einem festen Schema ablaufen müsse. Sondern der wird sich freuen, wenn er aus seinen Beobachtungen immer häufiger BZ-mäßig passend agieren und reagieren lernt :-)

Bisdann, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: A.Nonyma (IP-Adresse bekannt)
Datum: 15.06.2010 00:05

Hallo Jürgen,

Du schreibst: "Und wer sich dabei der Tatsache bewusst bleibt, dass ein guter Teil der Energieversorgung vor allem im gesunden BZ-Rahmen statt aus Glukose aus Speicherfett stattfindet, wird nie auf die Idee kommen, dass der BZ nach einem festen Schema ablaufen müsse. Sondern der wird sich freuen, wenn er aus seinen Beobachtungen immer häufiger BZ-mäßig passend agieren und reagieren lernt :-)"

Ich frage mich, wie Du mit diesem Hintergrundwissen davon ausgehen kannst, daß man als Typ-1-Diabetiker zuverlässig(!) seinen BZ zwischen 70 und 140 mg/dl halten kann? Denn die Zuckerausschüttung der Leber ist ja keineswegs die einzige Störgröße, die den BZ beeinflußt! Ich weiß im Moment noch nicht mal genau, wo eigentlich meine "richtige" Basalrate liegt! Durch mehr Bewegung und/oder einem abendlichen Gläschen Wein und/oder wegen der Hitze habe ich meine Basalrate heftig nach unten schrauben müssen, um endlich mal wieder nachts ohne Hypo durchschlafen zu können und auch morgens ohne selbige aufzuwachen. Was passiert, wenn ich mal wieder zwei faule Tage verbringe - keine Ahnung! Ich weiß auch nicht, was mein Zyklus in den nächsten Tagen anstellt - ich erwarte eine Steigerung des Insulinbedarfs, aber wann die eintritt und wie stark sie ausfallen wird, weiß der Geier! Das sind - zusätzlich zum Lebereffekt - schon vier Störgrößen, die teils in die gleiche, teils in entgegengesetzte Richtung wirken! Mich interessiert immer noch Dein Geheimrezept, wie ich mit all diesen Störgrößen einen ausgeglichenen BZ hinbekommen soll - und wie oft ich dazu messen muß! Wie gesagt: Störgrößen heißen Störgrößen, weil sie stören - und nicht, weil man sie abstellen kann! Ach ja, ich brauche jetzt mit meinen ganzen Schwankungen bereits rund 800 Teststreifen pro Quartal - und bin sicher, daß ich nicht mehr verschrieben bekomme!

Noch ein Beispiel aus den letzten Tagen: ich bin mit dem Rad zum Essen gefahren (BZ unmittelbar vor dem Essen: 101 mg/dl) und habe das Mahlzeiteninsulin stark reduziert, weil ich mit dem Rad weiter zum Zahnarzt wollte. Der hat mir erst eine Betäubung gemacht, dann eine Krone und schließlich eine Wurzel entfernt, was trotz der Betäubung sehr schmerzhaft war und zwei weitere Betäubungsspritzen nötig machte. Lange Rede kurzer Sinn: mein BZ lag hinterher bei 373 mg/dl, was bei mir unter normalen Umständen 2 nicht abgedeckten BE entspricht! Ich hatte aber nur rund 2 BE gegessen und davon einen Teil mit Insulin versehen... Da ich noch einen kleineren Stadtbummel geplant hatte und anschließend rund 45 min. mit dem Rad zurückfahren mußte, habe ich meinen BZ nur auf 200 mg/dl gesenkt. Eine Stunde später lag er bereits bei 152 - unmittelbar vor der Radtour, und eine weitere Stunde später bei 66. Was habe ich falsch gemacht??? Und wie hätte ich meinen BZ zwischen 70 und 140 halten sollen - mit Bewegung auf dem Rad und zu Fuß sowie ziemlich schmerzhaftem Zahnarzttermin, der alles andere als streßarm war? Und ziemlich heiß war es bei gut 30° auch noch. Das ist mein Problem mit den Störgrößen, die in diesem Falle entgegengesetzt wirkten und deren Größe für mich schlicht nicht vorhersagbar war! Sag mal ehrlich: kannst Du das?

Viele Grüße

Katja

********************************************
Ingenieure sind die besseren Diabetologen ;-)

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Kleinerpreis (IP-Adresse bekannt)
Datum: 15.06.2010 21:36

Hallo an alle:)

Ja die Lieben Störgrössen:)

Es gibt soo viele faktoren die kann man garnicht berechnen,nichteinmal Einstein könnte das.
Ich wäre nur froh wenn ich dieses "Wetterumschwung" Glukoseüberlauf syndrom mal unter kontrolle hätte.
Das mit Stress und sport wirkt dreimal so hoch bei mir.
Also einen Arzttermin mit schmerzen und am selben tag sport,der zucker explodiert förmlich,aber das ist dann das Stresshormon Adrinalin.
Aber wenn der Docbesuch um 11 uhr war und der sport um 15 uhr und wenn ich abends esse,dann kann es auch bei mir passieren,das der zucker plötzlich in den keller fällt,wenn ich dann um 19 uhr was futtere und meine üblichen 1,5 Ei pro BE schiesse.
Gerafft habe ich das bis heute nicht.
Mann kann diese Störfaktoren beliebig mischen,es kommt immer ein zu hoher wert und ein unterzucker bei raus,egal wie man es macht.
So Jürgen;)
jetzte bin ich mal gespannt wie Du das uns beiden 1ern erklären kannst.

LG

KleinerPreis

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 16.06.2010 11:45

Moinmoin,

was Ihr Störgrößen nennt, gehört zur hochdynamischen Normalität in unserem Organismus. Die besteht aus einer bis heute noch lange nicht voll erforschten Menge vielfältig ineinander greifender Regelkreise mit z.B. bei Insulin geradezu unvorstellbar kurzen Aktions- und Reaktionszeiten im Rahmen von meistens nicht mehr als 1-5 Minuten. Und Darin verläuft in unserem Diabetes-Zusammenhang gesund einzig der Blutzucker in erstaunlich engen Grenzen.

Dieses komplexe Stoffwechsel-Geschehen folgt seinen eigenen Regeln, und die Idee, uns berechnungssprengend überraschende Auffälligkeiten darin als Störgrößen zu bezeichnen, hat schon etwas von - verzeiht - naiver Überheblichkeit. Was ist das für ein Schwachsinn zu glauben, dass der Stoffwechsel sich nach den wenigen uns bekannten und noch weniger von uns beeinflussbaren Größen berechenbar richten müsste? Seit wann wäre die Natur uns schuldig, uns nicht zu stören und sich nach unseren Berechnungen zu richten? Insbesondere für den gesamten 24-Stunden-Glukose-Umsatz nach Berechnungen für den direkt den BZ beeinflussenden Input von nicht einmal der Hälfte davon?

Ok, wir mit Diabetes müssen einen wichtigen Stoff in diesem unübersehbar komplexen Stoffwechsel-Prozess manuell ersetzen und zwar ganz generell, auch wenn wir nichts essen, und zusätzlich zu dem dann auch noch welchen davon in direkter Abhängigkeit vom Essen von Glukose. Und letzteres nehmen wir als einzige Grundlage für unsere Berechnung der jeweils nach unserer Meinung passenden Insulinmenge. Und was da nicht hinein passt bezeichnen wir als Störgröße?

Bisdann, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Kleinerpreis (IP-Adresse bekannt)
Datum: 16.06.2010 19:17

Hi Jürgen:)

Naive Überheblichkeit ist das von uns nicht,aber Du schreibst hier alles soo wissenschaftlich und hast für alle fragen hier was parat.Es hätte ja sein können das äussere dinge wie stress,wetter,eigene organe usw die wir als "störgrößen" bezeichnen,das es dafür auch eine art Lösung oder berechnung gibt.
Die Natur macht eh was sie will,und das soll sie auch weiterhin tun:)
Mit stress kann ich arbeiten,dh lernen damit so umzugehen,das der BZ nicht direkt auf 300 geht.
aber wetter und Leber/Niere, das kann ich nicht beeinflussen.Also läuft es auf das hinaus was wir schon immer mit diesen faktoren machen,wir reagieren nur und essen oder spritzen Insulin.
Na dann....gutes gelingen an alle die auch damit kämpfen:)

LG

KleinerPreis

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17.06.2010 00:13

Moin KleinerPreis,

Du kannst für jedes Auto exakt berechnen, mit wie vielen Gramm Druck Du wie viele Sekunden lang auf das Bremspedal treten musst, um das Vehikel mit welcher Beladung auf welchem Straßenbelag bei welcher Witterung aus welcher Geschwindigkeit auf welche Geschwindigkeit abzubremsen.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hast Du Dein Abbremsen und Anhalten bisher noch kein einziges Mal so berechnet.
Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit leistest Du dir trotzdem weder die tägliche Beule, noch den monatlichen Kräsch, noch alle paar Jahre einen Totalschaden.

Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit triffst Du wenigstens an einem von 3 Tagen im Straßenverkehr auf einen absolut unvorhersehbaren Störfaktor. Wie machst Du dir Deine und Deinen Teil an unser aller Verkehrssicherheit?

Bisdann, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: A.Nonyma (IP-Adresse bekannt)
Datum: 20.06.2010 19:46

Hallo Jürgen,

ich habe nie behauptet, daß Störgrößen nicht normal oder nicht erklärbar seien! Und daß der BZ eines Gesunden in sehr geringen Grenzen schwankt, ist innerhalb eines funktionierenden Regelkreises kein Wunder. Dummerweise haben aber gerade Typ-1-Diabetiker KEINEN Regelkreis mehr, der den BZ in engen Grenzen hält! Wir können ihn nur noch steuern. Dazu kommt eine Vielzahl von Faktoren, die den BZ beeinflussen - Störgrößen halt. Einen Teil davon kennen wir und können sie größenmäßig einschätzen; einen weiteren Teil können wir nicht einschätzen und ein dritter Teil ist uns gänzlich unbekannt! Natürlich sind unsere Störgrößen auch Störgrößen für Gesunde - nur daß deren Auswirkungen durch den funktionierenden Regelkreis aufgefangen werden!

Falls Dir meine ganz persönliche Definition "Störgrößen heißen Störgrößen, weil sie stören!" nicht gefällt, hier die ganz offiziellen von Wikipedia:

"Störung bezeichnet die Abweichung eines geplanten oder erwarteten Vorgangs von seinem festgelegten, vorausberechneten oder erwarteten Verlauf. Störungen treten zumeist aufgrund einer unvorhergesehenen endogenen (eigenverursachten) oder exogenen (fremdverursachten) Einwirkung auf." [http://de.wikipedia.org/wiki/Störung]

"Störgröße ist
* im Arbeitsstudium die Ursache einer Störung
* in der Physik allgemein ein Parameter, der eine Abweichung vom idealen Modell darstellt, siehe Störungstheorie
* in der Regelungstechnik eine (oder mehrere) in der Regelstrecke störend auf die Regelgröße wirkende, oft unbekannte Größe"
[http://de.wikipedia.org/wiki/Störgröße]

Du meinst, unsere Bezeichnung von "berechnungssprengend überraschende[n] Auffälligkeiten" als Störgrößen sei "naive Überheblichkeit"? Unsere Kennzeichnung entspricht jedoch exakt den obigen Definitionen von Störgrößen!
DU dagegen gehst davon aus, daß wir unseren BZ im engen Rahmen von Gesunden halten können - OHNE Regelkreis, OHNE genaue Kenntnis aller Größen, die den BZ beeinflussen, und OHNE die Möglichkeit, schnell und flexibel genug reagieren zu können (zur Erinnerung: die schnellen Analoga wirken drei Stunden lang; das Insulin eines Gesunden nur 10 Minuten)! DAS ist naive Überheblichkeit!!!

Natürlich ist es uns die Natur nicht schuldig, sich nach unseren Berechnungen zu richten. Von uns kann aber auch niemand verlangen, unter diesen Bedingungen unseren BZ in ganz engen Grenzen ohne Ausreißer zu halten - Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter, bei Gesundheit und Krankheit, auf dem Sofa und beim Sport, im Streß und im Urlaub, frisch verliebt und im Rosenkrieg! Und genau das verlangst DU von uns!!! Wie gesagt, DAS ist naive Überheblichkeit!

In diesem Sinne

Katja

********************************************
Ingenieure sind die besseren Diabetologen ;-)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.06.10 20:03.

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 21.06.2010 13:07

Moin Katja,

ich verlange und erwarte von Dir gar nichts. Ich sehe nur, wie Du von Dir die Berechenbarkeit Deines BZ verlangst. In meinen Augen mit einem völlig unpraktikabelen Ansatz, weil niemand die Regelgrößen in all den beteiligten Regelkreisen, die auch bei Dir (500-800g und ggf aucch mehr Glukose werden in jedem von uns jeden Tag verteilt) noch eifrig und gut werkeln, berechenbar erfassen kann, auch Du nicht. Und wenn Du könntest, wärst Du mehr als die verfügbare Zeit mit Rechnen beschäftigt und könntest deswegen nur unzulänglich steuern.

In dem Sinne das Auto-Beispiel. Beim Autofahren ist bis auf die (Re)Aktion(en) der anderen Verkehrsteilnehmer ALLES physikalisch exakt berechenbar. Aber wer alle Beschleunigungs- und Verzögerungs-Vorgänge für eine halbe Stunde Autofahrt zur Arbeit berechnen wollte, brauchte vor lauter Rechnen selbst mit Computer-Unterstützung an dem Tag wahrscheinlich nicht mehr zur Arbeit.

Beim Autofahren erwartet auch niemand die großartige Rechenanleitung in der Fahrschule. Abgesehen von Pimaldaumen Anhalte- und Bremsweg findet alles andere als situatives praktisches Einüben statt. Einüben im Sinne von bei-jedem-ähnlichen-Vorgang-besser-machen, nicht rechnen(!), wie die Kupplung loszulassen ist, sondern einfach noch ein bisschen weicher kommen lassen, bis es wirlich nicht mehr (oder wenigstens erträglicher ;-) ruckelt. Und genauso mit dem Bremsen und allen weiteren Verrichtungen für's im Ergebnis flüssige und zügige Ankommen.

Stell dir einfach mal vor, wir hätten unsere Bremsfaktoren, X Nummern Gramm je 5km/h mehr oder weniger und natürlich ähnlich für alle weiteren Steuergrößen? Würdest Du wirklich glauben können, dass sich damit auch nur halb so zügig ankommen ließe, wie das die weit überwiegende Mehrzahl aller VerkehrsteilnehmerInnen jeden Tag erfolgreich macht?

bin neugierig, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Kleinerpreis (IP-Adresse bekannt)
Datum: 21.06.2010 17:26

Hi Katja

Ich muss Dir recht geben :)

@Jürgen:
Uns mit einem Auto zu vergleichen,das passt nicht so ganz,weil das Auto
hat nicht die gleichen "störgrößen" wie unsereins.

Es ist einfach so,wir müssen es so hinnehmen und reagieren,mehr nicht.


LG

KleinerPreis

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: A.Nonyma (IP-Adresse bekannt)
Datum: 21.06.2010 23:26

Hallo Jürgen,

ich stelle verblüfft fest, daß DU Maßstäbe (BZ muß bei Diabetikern zuverlässig hypofrei zwischen 70 und 140 mg/dl verlaufen) aufstellst, auf die Du später nicht mehr eingehst, weil sie nicht haltbar sind! Wenn man solche von Dir aufgestellten Maßstäbe begründet anzweifelt (Stichwort Störgrößen!), reagierst Du, indem Du mit der Natur und ihren zumindest im Detail gar nicht bekannten Regelkreisen und deren feinste Reaktionen argumentierst - also Deinen zuerst vertretenen Standpunkt selbst ad absurdum führst! Und unsere Argumentation mit den Störgrößen nennst Du naive Überheblichkeit. Nachdem Dich auch diese Argumentation nicht wirklich weiterführt, unterstellst DU mir, ICH würde die exakte Berechenbarkeit des Blutzuckers fordern! Wie bitte??? Was glaubst Du, warum ich von Anfang an mit Störgrößen argumentiert habe??? Genau - weil ich WEISS, daß man den Verlauf des Blutzuckers nicht berechnen kann!

Auf Dein merkwürdiges Beispiel mit dem Auto gehe ich nicht weiter ein. Wenn Du Deinen Diabetes in analoger Weise behandelst, ist das Dein Bier und Dein persönliches Vergnügen! Ich bin zwar Perfektionistin, aber im Gegensatz zu Dir(??) weiß - und akzeptiere - ich, das ich meinen Blutzuckerverlauf nicht berechnen, sondern höchstens abschätzen und dabei auch mal heftig daneben liegen kann! Weil ich das weiß, akzeptiere ich auch realistische Grenzen. Natürlich hätte ich meinen BZ am liebsten ständig im selben Rahmen wie Gesunde - wer hätte das nicht? Ich muß aber damit leben, daß es viele Situationen gibt, in denen das (aus welchen Gründen auch immer) nicht klappt! Seit 2002 lautet mein Ziel deshalb, daß mein nächster HbA1c wieder eine 5 vor dem Komma haben soll - auch wenn mein BZ zwischendurch mal auf 400 mg/dl hochgeschossen oder auf 28 abgestürzt sein sollte. Entscheidend ist doch nur, daß solche Ausreißer nicht von Dauer sind!

Viele Grüße

Katja

********************************************
Ingenieure sind die besseren Diabetologen ;-)

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: Jürgen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 22.06.2010 11:28

Moin KleinerPreis,

Du (be)schreibst genau, worum es geht: wir müssen reagieren.

Denn wir können es nicht berechnen. Wenigstens die Hälfte unseres alltäglichen Glukose-Umsatzes in der Gegend von gesamt 400-800g und bei Sport schnell auch mehr füllen wir nicht direkt als KHs ein, die wir sehen und berechnen können. Und selbst wenn wir es wie beim Auto (deswegen das Beispiel) ALLES sehen und berechnen könnten, würden wir's nicht tun, weil das Berechnen (dafür ja das Auto-Beispiel) viel zu unpraktisch und umfangreich wäre.

Das übliche ICT-Faktoren-Spiel, das wir normal zu berechnen lernen, hat nicht wirklich etwas mit BZ-Steuerung zu tun. Es ist vielmehr die historisch gewachsene Verlängerung der ärztlichen Einstellung aus der Zeit, als Schwankungen zwischen 40 und 400 pro Tag die Regel waren und als der eigene BZ eher via Pipi-Streifen bestimmt werden konnte. Damit kannst Du in ner Hypo zittern und ne Hyper pinkeln, weil das Pipi vom BZ-Überschuß der vergangenen 2-3 Stunden gesammelt hat, und der muss ja beim Wasserlassen schon lange nicht mehr bestehen.

Zum Reagieren gehört aber zunächst einmal das Beobachten dessen, was wir da vom Geschehen wahrnehmen können. Und dazu schreibst Du nix. Aber ALLE Betroffenen, die ich mit 1cs unter 6 kenne, messen dem Beobachten besondere Bedeutung bei - und messen und beobachten ihren BZ vor allem dann, wenn er sich besonders bewegt, nämlich vor allem in den ersten 2 Stunden NACH dem Essen!

Und ALLE, die ich mit 1cs unter 6 kenne, sind da hin gekommen, indem sie sich angeknobelt haben, wie sie 1-2-3 Stunden nach jedem Essen unter max 140-120-100mg/dl bleiben. D.h. so lange probieren, bis es funzt! Und zwar wirklich in dieser langen flachen Kurve. Denn sich sooo viel spritzen, dass der BZ 1 Stunde nach dem Essen unter 140 bleibt, kann jeder Insuliner nach spätestens 3 Versuchen. Aber dann muss er nach spätestens 2 Stunden wenigstens noch einmal so viel gegen die drohende Hypo essen. Das Gefühl dafür, wie gespritztes Insulin und Essen und ggf. Bewegung und Zeit bei einem zusammen wirken, bekommt man, indem man sich nach und nach anknobelt, wie man mit immer weniger Nachessen und schließlich ganz ohne auskommt. Und dabei spielt meistens auch der passende Spritz-Ess-Abstand eine gewichtige Rolle. Denn in den allermeisten Fällen muss auch mit schnellem Analog-Insulin ein paar Minuten bis manchmal an ne Stunde vor dem Essen gespritzt werden, in seltenen danach. Aber eben passend, denn das macht weniger BZ-Anstieg mit weniger Insulin und damit weniger Nachess-Bedarf.

Und wer die max 140-120-100 drauf hat, hat damit praktisch seine persönliche Grundkurve und kann die nach Belieben im für ihn völlig überschaubaren Rahmen abwandeln. D.h. wenn er z.B. mehr isst und mehr spritzt, weiß er genau, wann bei welcher Betätigung nach dem ersten Essen ein Nachessen in welchem Umfang notwendig wird, damit der BZ über der Hypo bleibt. Oder wie viel er weniger spritzen kann, wenn er sich anschließend an das Essen wie intensiv bewegt. Oder... -

WICHTIG: Alle, die ich mit max 140-120-100 kenne, haben sich da vorsichtig ran getastet. Dazu haben sie zunächst einmal nichts anderes gemacht, als im ersten Schritt ihre BZ-Spitzen 1 Stunde nach dem Essen zu entdecken und im zweiten um die Hälfte der Differenz zum Ziel zu senken. Beispiel: 1 Stunde nach dem Essen meistens 300 sind 160 über Ziel. Die Hälfte davon sind 80 und das erste Etappenziel mithin max 220. Und wenn die 220 die zuverlässige Obergrenze sind, dann ist das nächste Etappenziel 180. Das Gefühl für was immer besser passen kann wächst - genau wie z.B. beim Autofahrenlernen - mit der Übung. Und mit dem sehr viel wirkungsbewussteren Input von Insulin und Essen werden auch solche BZ-(Re)Aktionen unseres Organismus deutlicher sichtbar, die wir vorher von gar nicht berücksichtigt bis völlig unzutreffend interpretiert hatten, und wir können sie immer passender berücksichtigen :-)

Klar muss man in der Lernzeit viel messen und vor allem auch ausführlich Buch führen. Denn da wird schnell deutlich, dass 1 BE von einer Sorte einen deutlich anderen BZ-Verlauf machen kann, als 1 BE von einer anderen. Und dann ist ja auch der meistens zunächst nahezu völlig unbekannte Verlauf nach den Mahlzeiten zu entdecken und zu lernen, wie man den immer passender berücksichtigen kann. Aber Löcher haben noch niemandem wirklich Spaß gemacht, und so sind bisher alle, die ich mit max 140-120-100 kenne, recht bald dazu über gegangen, immer relativ gleiche Messergebnisse nur noch stichprobenartig zu machen und regelmäßig nur noch immer dann zu messen, wenn sie aus dem Messwert dann ggf. auch direkt eine Konsequenz ziehen wollen, also nachessen oder nachspritzen. Vorsicht: ist meistens nicht die Menge, die wir als Korrekturfaktor kennen! Aber wer die 140-120-100 auszutesten geschafft hat, wird auch mit dem Austesten der passenden Nachspritzmengen keine Schwierigkeiten haben.

Auch wenn man's alles wie skizziert drauf hat, sind plusminus 20% Abweichungen nach oben und unten im Alltagsbetrieb kein Thema. Und auch ich messe im Schnitt einmal die Woche über 200mg/dl - allerdings nie für länger als 2 Stunden. Und dann kann ich allein dafür 3 Teststreifen brauchen, bis ich den Ausreißer wieder eingefangen hab. Ok, an ruhigeren Tagen komme ich halt eher mit 3 Streifen aus, so dass mir im Schnitt etwa 5 Tests am Tag reichen. Also weder dauernd messen, noch dauernd nix anderes machen als passend spritzen und esssen und bewegen, sondern routinemäßig situativ (re)agieren - so wie automatisch mit dem Autostarten der Blick in den Spiegel und nach links hinten geht, ohne dass Du den ganzen Tag immer an diesen Moment gedacht hast :-)

Daumendrück, Jürgen

Re: Blutzuckeranstieg bei Wetterwechsel?
geschrieben von: A.Nonyma (IP-Adresse bekannt)
Datum: 22.06.2010 22:48

Hallo Jürgen,

Du schreibst: "Das übliche ICT-Faktoren-Spiel, das wir normal zu berechnen lernen, hat nicht wirklich etwas mit BZ-Steuerung zu tun."
Ehrlich nicht??? Es handelt sich dabei immerhin um die Reaktion auf den größten(!) Störfaktors für den BZ - die Nahrung!

"Schwankungen zwischen 40 und 400 pro Tag" waren unter Harnzuckerkontrollen nur für diejenigen die Regel, die sich entweder nicht richtig auskannten oder sich trotz ihres Wissens falsch verhielten. Letzteres war bei mir abends der Fall, weil ich aus Spritzenangst meine Abendspritze viel zu spät machte. Ohne diese Angst hätte ich es auch mit CT und Harnzuckerkontrollen geschafft, meinen HbA1c um die 6% zu halten. Ich konnte übrigens ziemlich einfach verhindern, "in ner Hypo [zu] zittern und ne Hyper [zu] pinkeln"! Nach jahrzehntelangem Training hatte ich keinerlei Probleme, nach 10 Minuten erneut den Harnzucker zu messen - ich wäre der Traum für jeden Dopingkontrolleur gewesen ;-) Trotz meines Problems mit der Spritzenangst hatte ich DAMALS über Jahre hinweg einen mittleren HbA1c von 6,7% - ein Wert, von dem heute noch mancher Pumpenträger nur träumen kann!

Du schreibst: "ALLE Betroffenen, die ich mit 1cs unter 6 kenne, messen dem Beobachten besondere Bedeutung bei - und messen und beobachten ihren BZ vor allem dann, wenn er sich besonders bewegt, nämlich vor allem in den ersten 2 Stunden NACH dem Essen!"
Mein HbA1c liegt seit 2002 ständig unter 6%, aber ich messe eher selten eine oder zwei Stunden nach Mahlzeiten. Der Grund ist einfach: es ist mir ziemlich wurscht, ob mein BZ dann bei 160 oder 180 liegt! Entscheidend ist dagegen, daß er nüchtern - oder drei Stunden nach der Mahlzeit - zwischen 80 und 100 liegt!
Aus postprandialen Abweichungen kann ich kaum Lehren ziehen, weil das vor allem dann passiert, wenn sich mein Insulinbedarf gerade ändert! In diesm Fall nützt es mir aber auch nichts, DEA oder BE-Faktor zu ändern, sondern nur, meine Basalrate anzupassen! Und nach zwei oder drei Tagen hat sich das Problem ohnehin wieder erledigt, weil meine Basalrate dann wieder paßt!

Mit einem Punkt hast Du allerdings recht: ohne genaue Beobachtung, exakte Analyse der dabei festgestellten Probleme und deren Lösung ist ein HbA1c unter 6 nicht möglich! Dir sollte aber eigentlich bekannt sein, daß die postprandialen Werte gerade KEINEN Einfluß auf den HbA1C haben!!!

Weißt Du, ich will neben dem Diabetes auch noch leben, und zu meiner Lebensqualität gehört - neben der Freiheit von Folgeschäden, einem HbA1c unter 6% und der Vermeidung von schweren Hypos - Flexibilität! All diese Ziele erreiche ich, ohne daß jeder postprandiale BZ unter 140 mg/dl liegt! Ich finde es unzumutbar, meinen Diabetes in Richtungen zu optimieren, die für den langfristigen(!) Erfolg einfach unerheblich sind! Ich weiß, von was ich spreche, denn ich habe bereits mehr als 47 Jahre Erfahrung mit dieser Erkrankung! Ich brauche jedenfalls schon ohne diesen Irrwitz durchschnittlich 8 BZ-Messungen am Tag - und eine Stunde Zeit!

In diesm Sinne

Katja

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Ingenieure sind die besseren Diabetologen ;-)

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